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KF Augsburg-Lechhausen: Podiumsdiskussion zum II. Vatikanischen Konzil

Kirche, wie bist du jung!

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Über 100 Zuhörer hatten sich am 12. November 2009 im Pfarrsaal der Pfarrei St. Pankratius in Augsburg Lechhausen eingefunden, um an der Podiumsdiskussion zum II. Vatikanischen Konzil teilzunehmen. Für die örtliche Kolpingsfamilie begrüßte Dr. Hubert Bitzl die Anwesenden. Als zweiter Veranstalter stellte Marcus Öfele, Diözesanvorsitzender der Landvolkbewegung, die Zeitzeugen auf dem Podium vor. In seinem Verband hat Öfele nach dem Versuch von Rom, zu den Piusbrüdern eine Brücke zu bauen, eine große Unsicherheit festgestellt. Daher hat sich der Diözesanvorstand für das Jahresthema "Ich will, dass es brennt!" entschieden, um die Errungenschaften und die Begeisterung des II. Vatikanischen Konzils neu anzufachen.

Drei Zeitzeugen

Schwester Benedikta Hintersberger, Dominikanerin und von 1995 bis 2005 Geistliche Begleiterin des Katholischen deutschen Frauenbundes, erlebte das Konzil als Ehrenamtliche in der Jugendarbeit in Lechhausen. Prof. Dr. Hans Maier, ehem. Kultusminister in Bayern und ehem. Vorsitzender des Zentralkomitees der Katholiken in Deutschland (ZdK), begann 1962 als junger Professor an der Universität in München seinen Lehrauftrag. Pfarrer Dr. Michael Mayr, ehem. Regionaldekan Augsburgs und Krankenhausseelsorger, war als Student an der Gregoriana und als Seminarist im Germanikum zur Zeit des Konzils in Rom.

Bekehrung zum Geist Jesu

"Die Zeit damals und der Aufbruch in der Kirche ist nicht mehr vorstellbar", meint Pfarrer Mayr. Kurz nachdem er als Student in Rom angekommen ist, wurde im Oktober 1962 das Konzil eröffnet. Er war auf dem Petersplatz dabei, als Papst Johannes XXIII. seine berühmte Rede hielt und der Welt zurief: "Es freut sich die Mutter Kirche...". Es war auch für die Bischöfe damals ein großes Erlebnis einer unter 2.000 Kollegen zu sein. Das Konzil begann dann mit einem Donnerschlag. Die Konzilsväter wollten den vorbereiteten Dokumenten nicht einfach zustimmen, sondern wollten aus der Versammlung heraus die Beschlüsse entwickeln. Für Pfarrer Mayr ist es das Bemühen der Kirche, sich zu verheutigen, getreu dem Wort von Johannes dem XXIII "Aggiornamento". Für ihn ist das Konzil ein geistliches Ereignis und eine Bekehrung zum Geist Jesu.

Wagemut, das Wort Gottes ins heute zu bringen

Schwester Benedikta erzählt von ihrer Begeisterung als Ehrenamtliche in der Jugendarbeit. Der Ausruf von Mario von Galli beim Katholikentag 1964 in Stuttgart: "Kirche, wie bist du jung, Kirche, wie bist du schön!" hat sie begeistert. Sie berichtet, dass sie damals alles gelesen hat, was ihr in die Hände gefallen ist. Damals hat sie noch weniger die Frauenfrage interessiert. Vielmehr war die Wahrnehmung, dass "wir ein pilgerndes Gottesvolk" sind, der Inhalt ihrer Überlegungen. Dennoch berichtet sie davon, dass es als Mesnerstochter nicht einfach zu verstehen war, nicht Ministrantin sein zu dürfen. Diese Ablehnung könne sogar zu einer Infragestellung des eigenen Geschlechtes führen, berichtet Hintersberger. Begeistert hat Schwester Benedikta auch das Aggiornamento. Die Neuerungen in der Liturgie wurden damals in den Gemeinden freudig begrüßt und gelebt. Interessiert war sie auch an der theologischen Auseinandersetzung. Einen Vortrag von Karl Rahner beim Katholikentag in Salzburg hat sie vom Band abgeschrieben und kann ihn heute noch fast auswendig. Begeistert hat sie das Wort vom "Tutiorismus des Wagnis", mit dem Rahner zum Wagnis als einziger Sicherheit aufruft.

Aufgeräumt mit der Angst

Als Prof. Maier zu Beginn des Konzils einen Bekannten gefragt hat, was er zu der Entwicklung in der Kirche sagt, meinte dieser: "Das Fossil bewegt sich!" Für Maier hat Johannes XXIII in seiner Eröffnungsrede "aufgeräumt" mit der Angst und dem Pessimismus in der Kirche. Drei Dinge sind Maier da besonders wichtig. Die eine Dimension betrifft die "justitia autonomia". Der Christ sieht sich nicht klüger als die Welt, sondern er wird vom Konzil aufgerufen, die Wirklichkeit zu studieren und das Ergebnis dieses Studiums in seine Entscheidungen mit einfließen zu lassen. "Am bedeutsamsten für das Konzil" sieht er die Stellung der Laien. Vor dem Konzil gab es im Kirchenrecht nur Priester, Bischöfe und "Nicht-Geistliche". Das Konzil geht sogar soweit zu sagen, dass es Bereiche gibt, wo nur Laien die Botschaft Jesu verkünden können. Als dritten Punkt führte er die Lehre über das zweifache Handeln in der Kirche im Miteinander von Bischöfen und Laien auf den bereiteten Wegen, aber auch durch das Handeln der Laien aus dem Gewissen heraus, dort, wo noch keine Wege gebahnt sind.

Der Welt ein anderes Gesicht zugewandt

Auf die Frage des Moderators Martin Schneider (Referent des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum München und Freising), wie er im Zusammenhang mit dem Konzil den Begriff Kontinuität sieht, antwortet Maier: "Die Kirche hört nach einem Konzil nicht auf Kirche zu sein, aber sie wendet der Welt ein anderes Gesicht zu." Deutlich macht Prof. Maier dies den Zuhörern am Beispiel der Karfreitagsbitten. Für ihn ist das Konzil ein Point of no Return, man kann hinter die Aussagen zu anderen Religionen und Konfessionen nicht zurück. "Der Aufbruch hat die Kirche in die Mitte der Zeit gestellt!", sagt Maier.

Unendeckte Schätze des Konzils

In einer zweiten Runde fragte Moderator Schneider die Podiumsteilnehmer, worin ihrer Ansicht nach der Schatz liegt, der noch nicht gehoben ist bzw. wo das Konzil aktueller den je ist. Für Pfarrer Mayr liegt dies vor allem in der Botschaft vom Frieden unter den Religionen, wobei er einräumt, dass die Religionen um ihrer Glaubwürdigkeit willen den Frieden untereinander schaffen müssen. Im Ausspruch von Kardinal Lercaro, "Die Armen in der Welt müssen zum Maßstab unseres Handelns und Denkens werden.", sieht Mayr einen zweiten Aspekt, der in der Folge des Konzils zu einer Hinwendung zur Diakonie führte. Für Schwester Benedikta Hintersberger sind es drei Dinge, die ihrer Ansicht nach bewahrt werden müssen: Kirche sein heißt, miteinander unterwegs sein; die Christen sind mündig vor Gott und können Gewissensentscheidungen treffen; die Vertreter der Kirche haben nicht alleine die Wahrheit, wie es Johannes XXIII zu Frere Roger gesagt hat. Prof. Maier berichtete von der letzten Sitzung des Konzils, an der er zusammen mit seiner Frau teilnehmen konnte. Die parlamentarischen Formen in der Kirche und das ganz Menschliche, wie zum Beispiel die Kaffeebar in einer Sakristei, haben ihn beeindruckt. In dieser Sitzung wurde über das Dekret zur Religionsfreiheit diskutiert. Er sieht vor allem die amerikanischen Bischöfe als Initiatoren für den Text. Mit den Aussagen zur Religionsfreiheit hat die Kirche nach Maier den Satz aufgegeben, dass es für den Irrtum keine Freiheit gibt. In diesem Dekret sieht Maier auch den Beginn des Schismas mit Levebre und seinen Anhängern.

Texte ernst nehmen und lesen

Nach den Statements der Podiumsteilnehmer stellten die Besucher fragen an die Zeitzeugen. Unter anderem wurde die Frage gestellt, wie die heute vorhandenen verschiedenen theologischen Richtungen vereint werden können. "Ertragt euch in Geduld!" ist für Prof. Maier die Antwort darauf. Zudem findet er es wichtig, dass die Textes des Konzils ernst genommen, gelesen und interpretiert werden. Für Pfarrer Mayr ist für jemanden, der die Geschichte kennt, klar, dass der Rückschlag zwangsläufig ist. Dennoch müsse sich die Kirche gemäß dem Schriftwort "Kehrt um, denn das Reich Gottes ist nahe!" immer wieder bekehren.

13.11.2009

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