Ostergruß des Diözesanvorstandes

Der Friede sei mit euch

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30.03.2024

Osterkerze in der Hauskapelle des Kolpinghauses in Augsburg

Als Jesus seinen Jüngern nach der Auferstehung erschienen ist, grüßte er sie mit den Worten: „Der Friede sei mit euch.“ In unseren Tagen ist der Friede in der Welt wieder zu einer großen Sehnsucht geworden. Der Diözesanvorstand wünscht ihnen ein frohes und friedvolles Osterfest und verbindet damit die Bitte: „Herr, gib uns deinen Frieden!“.

 

„Frieden passiert nicht einfach.“ 264

Die deutschen Bischöfe haben bei ihrer Frühjahrs-Vollversammlung im Februar 2024 in Augsburg ihr neues Friedenswort „Friede diesem Haus“ vorgestellt. Wir geben hier ein paar Zitate aus dem Papier wieder, das auf der Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz als Download heruntergeladen oder als Broschüre bestellt werden kann, um Lust zu machen, darin mehr zu lesen. Die Nummern hinter den Zitaten geben die Nummern der Textabschnitte im Dokument wieder, aus denen sie genommen sind.

 

„Gewalt wird auf unabsehbare Zeit zu unserer Wirklichkeit gehören. Doch sollte uns dies nicht dazu verleiten, uns an die Gewalt zu gewöhnen und uns resigniert mit ihr abzufinden. Vielmehr geht es darum, geduldig und einsatzbereit dafür Sorge zu tragen, dass Gewalt und ihre Folgen, soweit es geht, überwunden werden und somit Gewalt immer weniger Raum bekommt.“ 160

 

„Friede entsteht durch Begegnung, Dialog und dem verständnisvollen Respekt voreinander – nicht durch Angst vor der militärischen Vernichtung.“ 7

 

„Wir betonen aber ausdrücklich, dass Krieg niemals ein Mittel der Politik oder der Konfliktbewältigung sein kann. Er ist ein Totalversagen der Menschheit und widerspricht Gottes Willen.“ 8

 

„So ist die Kirche sowohl in Friedens- als auch in Gewaltprozessen involviert und es ist bittere Realität, dass nicht nur in Deutschland, sondern an vielen Orten der Welt, die Kirche als Ort der Gewalt erlebt wurde und wird. Heute sind es vor allem die Betroffenen sexualisierter Gewalt und des spirituellen Missbrauchs, die hiervon ein bitteres Zeugnis ablegen müssen. Als Bischöfe der katholischen Kirche in Deutschland bekennen wir uns zu dieser Verantwortung, bereuen unsere Schuld und bitten die Opfer um Vergebung.“ 14

 

„Niemals stellt das Recht auf Selbstverteidigung einen Freibrief für eine Kriegsführung dar, die gegen die Regeln des Kriegsvölkerrechts verstößt, insbesondere gegen das Prinzip der Verhältnismäßigkeit. Es bietet auch keinen Rechtsgrund für Rache und Vergeltung, schon gar nicht, wenn sie die Zivilbevölkerung treffen. Gerechte Verteidigung muss Wege zu Verständigung und Frieden offenhalten oder öffnen, sie darf keinen bewusst verschließen. Das Ziel jedes Militäreinsatzes, sofern er aus christlicher Sicht legitim sein soll, ist nicht der Sieg, sondern ein gerechter Friede. Waffen können keinen Frieden schaffen, Frieden muss gestiftet werden – und zwar in erster Linie durch Gerechtigkeit, die auch den Feind im Krieg einschließt.“ 31

 

„In allen Suchtformen steckt der Keim der Gewalt, nicht selten in Form von Beschaffungskriminalität, von Mord und Totschlag bei Bandenkriegen, nicht zuletzt aber in Form der Gewalt gegen sich selbst durch Selbstzerstörung bis zum Tod.“ 53

 

„Wir alle müssen uns ehrlich und ernsthaft die Frage stellen, woran es liegt, dass so viele wohlmeinende moralische und politische Appelle, schädliche Lebensstile und (selbst)zerstörerische Verhaltensweisen zu ändern, weithin wirkungslos verpuffen. Ein wesentlicher Grund dürfte in Verhärtungen des Gemüts und der Seele liegen, die gegen Moral immunisieren und im Endstadium Gewissenlosigkeit oder ein notorisch gutes Gewissen hervorrufen. Es kann deshalb keinen tiefgreifenden gesellschaftlichen und politischen Wandel in der Welt geben, wenn es nicht gelingt, diese Versteinerungen zu sprengen, mit denen sich Menschen vor der Zumutung schützen, ihre schlechten Angewohnheiten aufzugeben.“ 55

 

„Es gibt keine Gewalt ohne körperliche und seelische Komponente, und es gibt keine Ausübung von Macht, die frei wäre von der Gefahr, zu verletzen und zu zerstören.“ 60

 

„Es gibt also auch legitime Gewalt. Aber selbst sie ist ein Übel und muss immer auf das geringstmögliche Maß beschränkt werden.“ 62

 

„Weltfrieden ist ohne Religionsfrieden nicht vorstellbar.“ 69

 

„Gewaltverzicht und aktive Gewaltfreiheit sind keine Zeichen von Schwäche, sondern von innerer Stärke.“ 75

 

„Häufig entstehen von lokalen Kriegsherren betriebene sogenannte >Gewaltökonomien<, die auf der Ausbeutung weltweit zu vermarktender Rohstoffe oder auch auf Waffen-, Drogen- und Menschenhandel gründen. Kriegsführung wird damit zum Geschäftsmodell, das dauerhafte Befriedung grundlegend erschwert.“ 88

 

„Obwohl die Migrationsforschung überzeugend nachzuweisen vermochte, dass Migrationsprozesse sowohl in den Herkunfts- als auch den Zielgesellschaften zu Wohlfahrtsgewinnen beizutragen vermögen – vor allem dann, wenn sie human, kooperativ, rechtebasiert und geordnet gestaltet werden –, überwiegt bei vielen Regierungen und Teilen der Öffentlichkeit die Neigung, Migration als Sicherheitsproblem zu behandeln. Zuwanderung löst bei vielen Menschen Überfremdungsängste aus. Daraus erwächst der Nährboden für die Verbreitung rassistischer Stereotype und Hassbekundungen gegen Migrantinnen und Migranten, wie sie von rechtspopulistischen Parteien und Extremisten geschürt werden… Dass derartige Weltsichten mittlerweile die Mitte selbst liberaler Gesellschaften erreicht haben, muss bedenklich stimmen.“ 123

 

„Wo Rechtspopulisten an der Macht sind, beschränken sie grundlegende demokratische Freiheiten, beschneiden den Rechtsstaat und bereiten den Boden für die Rückkehr menschenverachtender, rassistischer und völkischer Ideologien.“ 148

 

„Populisten leben vom Charisma ihrer Führungspersönlichkeiten, setzen auf Demagogie, offene Provokation, Diskreditierung, Dramatisierung durch Übertreibungen und Falschinformationen, Verschwörungsnarrative und die Emotionalisierung des Diskurses. Sie propagieren einfache Lösungen, die in Wirklichkeit keine sind, und die Rückkehr in eine mythisierte Vergangenheit, gewissermaßen ein >goldenes Zeitalter<. Damit glauben sie stabile Lebenswelten wiederherstellen zu können. Im Zusammenspiel mit >neuen Medien< sorgen sie für eine Verrohung des politischen Diskurses und eine Vergiftung der gesellschaftlichen Beziehungen. Sie entfalten damit eine hochgradig spaltende Wirkung sowohl innerhalb von Gesellschaften als auch in der Staatenwelt.“ 155

 

„Konflikt und Gewalt gehören zu den prägenden Grunderfahrungen der Menschheit. Konflikte sind ein notwendiger und oftmals produktiver Bestandteil menschlichen Zusammenseins und gesellschaftlicher Entwicklung. Die daraus entstehenden Krisen können bisweilen unumgänglich sein. Das gefährliche Moment liegt darin, dass in Krisen die Versuchung wächst, die Konflikte gewaltförmig auszutragen. Wo Konflikte mit Gewalt gelöst werden sollen, schädigen sie die Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.“ 162

 

„Im Gewalthandeln werden die Mitmenschen zum Objekt oder zum Gegenmenschen. Gewalterfahrung ist die Erfahrung extremer Schutzlosigkeit und Verletzlichkeit des menschlichen Lebens. Extreme Gewalt löst existenzielle Erschütterungen aus, die zu Traumatisierungen führen können und die von den machtvollen Gefühlen der Demütigung, der Scham und des Gesichtsverlusts begleitet werden. Die persönlichen und gesellschaftlichen Beziehungen werden durch Gewalt fundamental gestört. Das geht mit immensen Auswirkungen auf die Beziehungen von Menschen und sozialen Gruppen zueinander sowie zu sich selbst einher. Diese Folgen der Gewalt prägen die Lebenswirklichkeiten, das Denken, Wahrnehmen und Empfinden, die Religiosität und Kultur der Menschen auch dann noch, wenn die Ursachen und Anlässe sowie die Gewalttaten selbst vorüber sind. Dies schließt auch Generationen mit ein, die selbst die Gewalt nicht mehr erlebt haben.“ 167

 

„Wer von Versöhnung sprechen will, darf von den Verletzungen und dem Unversöhnten nicht schweigen.“ 175

 

„Gelingende Versöhnung ist ein komplexes Geschehen, das den Charakter eines Geschenks trägt.“ 176

 

„Nur unter der Bedingung der weltweiten Achtung grundlegender Menschenrechte befindet sich die Völkergemeinschaft auf dem Weg zum Frieden,“ 188

 

„Auch legitime Verteidigung setzt die Geltung der Basisregeln der Humanität und die zentrale Bedeutung der Menschenrechte nicht außer Kraft.“ 197

 

„Rüstungstransfers können nur unter speziellen Voraussetzungen legitim sein. Sie sind grundsätzlich nach denselben ethischen Kriterien zu beurteilen wie die Androhung oder Anwendung von Gewalt.“ 205

 

„Es ist höchste Zeit, aus der Abschreckung mit nuklearen Mitteln auszusteigen.“ 207

 

„Die politische Vernunft und die mitmenschliche Solidarität fordern ein Ende des Wettrüstens, eine internationale und überprüfbare Rüstungskontrolle sowie eine drastische Verringerung der Rüstungsausgaben.“ 210

 

„Wir müssen den Schreckensvisionen einer sich selbst zerfleischenden Menschheit kraftvolle Bilder gelingenden Miteinanders von Menschen und Völkern entgegensetzen.“ 210

 

„Klimaschutz ist Friedenssicherung.“ 235

 

„Solidarität ist das Fundament aller Friedensarbeit und umfasst weit mehr als akute Hilfeleistungen…“ 256

 

„Aber im Letzten können Vergebung und Versöhnung nicht gefordert werden. Sie sind vielmehr eine Gnade Gottes.“ 261

 

„Religionen sollen also Werkzeuge des Friedens sein und nicht Schürer von Hass und Gewalt.“ 298

30.03.2024
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Am Ende des Friedenswortes wird Max Josef Metzger (1887-1944), der in Meitingen gelebt hat und begraben liegt, als „Vorhut des katholischen Ökumenismus“ und als „Vorreiter der katholischen Friedensbewegung“ (288) genannt. Am 14. März 2024 hat Papst Franziskus grünes Licht für die Seligsprechung von Bruder Paulus, wie sich der am 14. April 1944 hingerichtete Metzger im Christkönigs-Institut nannte, gegeben. So dürfen wir Max Josef Metzger bald als Märtyrer um seine Fürbitte um Frieden in der Welt anrufen.