80 Jahre Zwangsaussiedlung der Deutschen aus Ungarn

Fehler der Vergangenheit vermeiden

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26.01.2026

Als im Jahre 1990 in Ungarn die Wiedergründung des Kolpingwerkes Ungarn gefeiert wurde, entstanden auch Partnerschaften zwischen Kolpingsfamilien aus Ungarn und aus dem Kolping Diözesanverband Augsburg. War in den Anfangsjahren das Miteinander noch stark geprägt von konkreten Hilfsaktionen mit dem Ziel, die Menschen und den Aufbau des Kolpingwerkes in Ungarn zu unterstützen, so hat sich der Schwerpunkt inzwischen verlagert. Heute lebt die Partnerschaft durch den wechselseitigen Austausch von Erfahrungen über die Lebens- und Berufsbereiche.

Die Partner erinnern in diesen Tagen an die Zeit vor genau 80 Jahren. Am 19. Januar 1946 begann die Zwangsaussiedlung deutschsprachiger Einwohnerinnen und Einwohner aus Ungarn. Seit dem 12. Jahrhundert siedelten in Ungarn Menschen deutscher Sprache. 1910 lebten im damaligen Staatsgebiet von Ungarn über zwei Millionen Deutsche, was einem Anteil von 9,8 Prozent an der Bevölkerung entsprach.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Besetzung Ungarns durch die Rote Armee wurden zahlreiche Ungarndeutsche deportiert; das Potsdamer Abkommen von 1945 ermöglichte die „Überführung“ in das deutsche Staatsgebiet. Am 19. Januar 1946 traf der erste Transport vertriebener Deutscher aus dem ungarischen Budaörs (deutsch Wudersch) in Bayern ein. Nur wenigen Ungarndeutschen gelang in den folgenden Jahren die Rückkehr in ihre Heimat. Zahlreiche Familien ließen sich in Sachsen, aber auch in Bayern nieder. Der 19. Januar ist in Ungarn ein Gedenktag.

Zur Erinnerung besuchten der ungarische Staatspräsident Dr. Tamás Sulyok, der sächsische Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und vertriebene Ungarndeutsche sowie deren Nachkommen am 20. Januar 2026 die Gedenktafel vor der „Grauen Kaserne“ in Pirna, die als Erstaufnahmeeinrichtung für die Vertriebenen in Sachsen diente.

Ungarns Staatspräsident Dr. Tamás Sulyok wies bei dieser Gelegenheit darauf hin: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, hat nicht die geringste Chance, die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. Wer aus dem Gräuel nicht lernen will, bietet nicht einmal die Chance, diese in Zukunft vermeiden zu können.“

Erfreut zeigten sich beide Politiker, dass das Deutsch-Ungarische Jugendwerk gemeinsam mit dem Pirnaer Verein „Aktion Zivilcourage e. V.“ das Jugendprojekt „Spuren der Geschichte – Wege der Zukunft“ ins Leben gerufen hat. Das Projekt richtet sich sowohl an deutsche als auch an ungarische Schülerinnen und Schüler. In dem Projekt machen sie sich mit der Bedeutung der Ungarndeutschen für die gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Ungarns vertraut.

Ministerpräsident Michael Kretschmer erinnerte: „Tausende Ungarndeutsche haben nach dem Zweiten Weltkrieg in Sachsen ein neues Zuhause gefunden. Doch zurück blieben Erinnerungen an ihre Heimat, an Trennung und Verlust, über die sie lange schweigen mussten. Die Erfahrungen der Ungarndeutschen sind ein wichtiger Teil der sächsischen Nachkriegsgeschichte. Ich bin froh, dass diese in einem deutsch-ungarischen Jugendprojekt wachgehalten und an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. Die Schicksale der Heimatvertriebenen mahnen uns, wie wertvoll das Zusammenleben in einem friedlichen und freien Europa ist.“

80 Jahre sind vergangen, seit die Zwangsaussiedlung der Deutschen aus Ungarn begonnen hat. Noch gibt es Menschen, die sich an das damalige Ereignis erinnern und berichten können. Die Partnerschaften zwischen den Kolpingsfamilien aus Ungarn und aus dem Kolping Diözesanverband Augsburg bietet eine gute Möglichkeit, sich über die jahrhundertelange Verbindung zwischen Deutschland und Ungarn auszutauschen und daran zu denken, dass es auch Menschen aus Deutschland waren, die im 12. und 17. Jahrhundert nach Ungarn umsiedelten, um das damals geschundene Land wiederaufzubauen.

Erwin Fath
26.01.2026
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Bildunterschrift: Ministerpräsident Michael Kretschmer und Ungarns Staatspräsident Dr. Tamás Sulyok gedenken der Vertreibung der Ungarndeutschen vor 80 Jahren (© Nikolai Schmidt)