#WirBleibenZuhause - und sind dennoch (gedanklich) unterwegs!

Da aufgrund der Corona-Pandemie unsere Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, lädt das Kolpingwerk Diözesanverband Augsburg zu einem virtuellen Sonntagsausflug zu Kapellen, Gipfel- und Feldkreuzen, Kirchen mit Kolping-Reliquien... ein.

Kapelle im Kolping-Allgäuhaus in Wertach

Einweihung Kapelle durch Bischof Müller, links Geiselberger
Blick in die Kapelle
Kreuz über dem Altar
Josef, Patron der Kapelle
Maria im Rosenstrauch
Messfeier Palmsonntag 2017

Architektur

Über einem siebeneckigen Grundriss erheben sich vom Boden weg sechs Holzträger, die ein Zeltdach tragen. Die Erdgeschosszone ist mit verputztem und weiß gestrichenem Mauerwerk ausgeführt. Fünf der Wandflächen tragen im oberen Teil unter dem Dachansatz querrechteckige Fenster, deren obere Mitte leicht spitz zuläuft. In der fensterlosen Altarwand gegenüber dem Eingang ist ein vertikaler Knick der Wand angedeutet (siebte Ecke). Die Altarinsel ist um drei Stufen erhöht. Im Wandfeld links von der Eingangswand führt eine Tür in die Sakristei, im Wandfeld rechts eine Tür in einen Technikraum. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil werden Zentralräume mit Zeltdach häufiger ausgeführt (z.B. Landsberg Zu den heiligen Engeln 1967, Seifriedsberg St. Georg und Mauritius 1971, Windach Maria am Weg 1971).

Zelt Gottes unter den Menschen

Die Ecken des Grundrisses weißen auf die biblische Zahl sieben. Sie steht für Vollkommenheit und Vollendung (vgl. Schöpfungsbericht). Alle Menschen, die sich zu Gottesdienst oder zum Gebet hier versammeln, sind in diese Vollkommenheit der Schöpfung hineingenommen. Auch ihnen gilt das biblische Wort: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut.“ (Gen 1,31).

Die Zeltform erinnert an das Heilige Zelt (lat. tabernaculum) der Israeliten auf ihrer Wanderschaft. Die hebräische Bezeichnung lautet wörtlich »Zelt der Begegnung«. Gemeint ist die Begegnung zwischen Gott und seinem Volk. Das Heilige Zelt galt als die Wohnung Gottes. Alle, die in die Kapelle kommen, sind eingeladen, Gott hier zu begegnen (in der Stille, im Gebet, in der versammelten Gemeinde, in seinem Wort, in der Eucharistie…).

Der Architekt erreicht durch den Zentralraum, durch die Form und Lage der Fenster und durch den Knick in der Altarwand eine Ausrichtung des Besuchers auf den Altar bzw. das Kreuz über dem Altar. Die Gläubigen werden nicht durch einen Blick aus den Fenstern abgelenkt.  

Charaktervoller Kreuz-Künstler

Der Goldschmied, Bildhauer und Maler Egino Weinert (1920 – 2012) hat die Innenausstattung der Kapelle geschaffen. Der in Berlin geborene Franz Stanislaus Günter Przybilski, so Weinerts Geburtsname, wurde Benediktiner in Münsterschwarzach. Da er den Hitlergruß verweigert hatte, wurde er 1941 in Würzburg verhaftet und inhaftiert. Zur Kriegsmarine eingezogen wurde er wegen Wehrkraftzersetzung angeklagt und zum Tode verurteilt. Der Vollstreckung des Urteils entkam er nur knapp durch Flucht. 1945 im Alter von 25 Jahren verlor er die rechte Hand durch eine Sprengfalle. Die Benediktiner erlaubten ihm 1949 nicht, die ewigen Gelübde abzulegen. Er musste das Kloster verlassen und gründete eine eigene Goldschmiedewerkstatt. Weinert war zweimal verheiratet und hat vier Kinder. In einer unheimlichen Schaffenskraft hat er unzählige Kunstwerke geschaffen. Ein großes Anliegen war ihm, künstlerisch hochwertige Kreuze zu schaffen, die sich jeder leisten kann.

Für die Kapelle im Allgäuhaus hat Weinert folgende Ausstattungstücke geschaffen: Weihwasserbecken, Marienbild, Josef, Kreuzweg, Tabernakelstele, Altar, Stühle für Priester und Ministranten, Altarleuchter, Ambo, Altarkreuz, Türgriffe, die Leuchter für die Osterkerze und für das Ewige Licht.

Kreuz mit Rätsel

Aus den vielen Darstellungen in der Kapelle werden hier drei Stücke herausgegriffen.

Das Kreuz über dem Altar hing ursprünglich frei (an den beiden noch sichtbaren Aufhängungen) an der Decke über dem Altar. Daher ist auch die nicht sichtbare Rückseite gestaltet. Die Kombination von Metallguss und Emailbild ist typisch für Egino Weinert. Unter dem Kreuz sind vier Personen versammelt. Maria ist durch den Heiligenschein erkenntlich. Rechts außen steht Johannes der Täufer, der durch die Kleidung aus Kamelhaar kenntlich ist. Links am Bildrand ein Heiliger in einem braunen Ordensgewand. Die Gestalt kann als der heilige Franziskus gedeutet werden. Die vierte Person rechts unter dem Kreuz gibt dagegen Rätsel auf. Ein Mann in blauer Hose und mit blauem Oberteil. Die Farbe korrespondiert mit dem Kleid Mariens. Ist es Josef, der Patron der Kapelle? Ist der Mann Mariens im Arbeitsanzug dargestellt? Oder ist es der Apostel Johannes, der mit Maria unter dem Kreuz stand und hier neben dem Täufer Johannes steht? War Weinert vielleicht so vorausschauend und hat den seligen Adolph Kolping dargestellt? Über dem Kreuz Sonne und Mond.

Weinert verwendet bei der Darstellung alte Bildmotive. Auf der als „Deesis“ bezeichneten Darstellungen alter Ikonen nähern sich Maria und Johannes der Täufer (evtl. mit weiteren Heiligen) bittend und flehend dem Weltenrichter. Auch die Beter in der Kapelle können auf die Fürsprache der Heiligen bei Christus vertrauen, der nicht als Toter begegnet. Mit einer kräftigen roten Farbe sind die Bluttropfen wiedergegeben, die scheinbar den ganzen Horizont überschwemmen. Jesu Tod am Kreuz gilt der ganzen Schöpfung (Sonne und Mond).

Hoffnungsträger

Mit Arbeitsschürze und Säge, das Jesuskind auf dem Arm und viele Menschen zu seinen Füßen ist der heilige Josef in einer aus Bronze gegossenen Figur in der Kapelle hinten links dargestellt. Der Patron der Kapelle ist auch Patron des Kolpingwerkes und Patron der Kirche. Das symbolisieren die Männer, Frauen, Kinder, Junge, Alte, Handwerker…. Interessant ist das Jesuskind, dass einen Zweig mit Blättern in Händen hält. Eine Taube brachte mit einem Ölzweig Noah die Botschaft, dass die Sintflut vorbei ist. Jesus bringt uns das Heil und die Rettung und damit den Frieden und die Zufriedenheit.

Wegweiserin

An der gegenüberliegenden Wand hängt das Marienbild. Ein Strahlenkranz aus Zweigen (oder sind es Flammen?) umgibt das Bild. Wie Blüten trägt der Kranz 15 kleine Medaillons. Die Reliefs zeigen die Geheimnisse des Freudenreichen, des Schmerzhaften und des Glorreichen Rosenkranzes.

Das Emailbild in der Mitte zeigt Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. Auch hier übernimmt Weinert traditionelle Darstellungsmuster. Die Madonna Hodegetria in der Ikonendarstellung bezeichnet die „Wegweiserin“. Mit der einen Hand hält Maria Jesus, mit der anderen weist sie den Betrachter den Weg zu Jesus. Die Sterne um den Kopf von Maria erinnern an die Offenbarung des Johannes. Der Seher von Patmos sieht eine Frau mit 12 Sternen wie eine Krone auf dem Haupt. Ein weiterer Stern ist auf der Stirn Mariens. Maria wird als Stern des Meeres oder als wahrer Morgenstern angerufen. Der Meeresstern gibt den Seeleuten Orientierung. Der Morgenstern kündigt den neuen Tag an. Liebevoll hält Jesus Maria ein kleines weißes Blümchen hin. Auch hier greift Weinert auf ein altes Motiv zurück (z.B. „Madonna mit der Nelke“ von Raffael, Leonardo da Vinci, Rogier van der Weyden). Die Nelke (botanischer Name Dianthus, zusammengesetzt aus griechischen Worten Gott und Blüte) steht für Liebe und Treue. Die Interpretation der Form der Nelke als Nagel führte zum deutschen Namen. Die Nelke erinnert – zusammen mit dem Kreuz im Heiligenschein des Jesuskindes – an sein Leiden und Sterben am Kreuz, aber auch an seine Auferstehung.

Das Marienbild in der Kapelle kann nicht nur als Rosenstrauch interpretiert werden. Wie beim brennenden Dornbusch, an dem Moses Gott begegnet ist, lädt das Bild den Betrachter zum Gebet und zur Begegnung mit Jesus ein.

Ein großer Wandteppich in der Kapelle, der die Begegnung Jesu mit den Jüngern in Emmaus zeigt, stammt von der Augsburger Künstlerin Schwester Regina Holzhauser OP.

Einweihung durch Bischof Müller

Die Kapelle wurde am 6. Juli 1980 vom damaligen Weihbischof von Augsburg, Manfred Müller (1982 bis 2002 Bischof von Regensburg), zu Ehren des heiligen Josef geweiht. Bischof Müller lernte als Kaplan und Präses den Senior der dortigen Kolpingsfamilie, Rudolf Geiselberger, kennen. Die Predigt bei der ersten Messfeier nach Geiselbergers Priesterweihe in Starnberg hielt Müller. Geiselberger, der inzwischen Kolping-Diözesanpräses war, stand mit Müller bei der Weihe der Kapelle am Altar.

Im Altar wurden Reliquien der drei Bistumspatrone Ulrich, Afra und Simpert und des heiligen Albertus Magnus beigesetzt.

Zum 200. Geburtstag von Adolph Kolping wanderte eine Reliquie des seligen Gesellenvaters durch die Diözese Augsburg. Seit Herbst 2013 hat die Reliquie ihren Platz in der Kapelle des Allgäuhaus neben einer Kolping-Darstellung von Egino Weinert gefunden.

Aus dem Evangelium vom 14. Sonntag im Jahreskreis (5. Juli)

"In jener Zeit sprach Jesus:
Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.
Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.
Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.
Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht."

Vollständiger Text Evangelium (Matthäus 11, 25-30) unter: www.die-bibel.de
Texte des Sonntags im Schott-Messbuch auf: www.erzabtei-beuron.de

Aus meinem Tourtagebuch

„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!“ ich will euch erquicken“ 

Gerade jetzt in der Corona Zeit, haben wir alle eine Last zu tragen. Es ist nicht „normal“ – doch was ist schon normal? Manchmal müssen wir das Joch auf uns nehmen und darin unsere Ruhe finden. Wir dürfen uns nicht mit unseren Freunden wie gewohnt treffen. Veranstaltungen werden abgesagt. Doch die Zeit hat nicht nur negative Seiten. Wir haben mehr Zeit, um uns auf uns zu konzentrieren. Wir können an die frische Luft gehen und Gott in der Natur begegnen. Wir dürfen ihn auch im Gottesdienst besuchen und jeder Einzelne kann die Verbindung zwischen ihm und sich selber spüren. Und das macht die „Last“ dann leichter zu ertragen.  Dann wirkt die Zeit doch gar nicht mehr so schlimm oder? 

Carolin Winter, Diözesanleiterin der Kolpingjugend

Eintrag ins Gipfelbuch

Himmlischer Vater, mit Jesus preise und lobe ich dich.
In Jesus, deinem Sohn, hast du uns einen Freund geschenkt,
zu dem ich mit allem kommen kann.
Bei IHM kann meine Seele aufatmen.

Kolping-Diözesanpräses Wolfgang Kretschmer

Musiktipp: Rescuer (Rend Collective)

Was für unterwegs...

"Wenn man Freud und Leid miteinander teilt,
wächst man zusammen."

Adolph Kolping

Wer sehen will, wo die Kapelle des Kolping-Allgäuhauses steht, sich mit dem Finger auf der Karte auf den Weg machen möchte, kann hier dem Link folgen oder die GPS-Daten verwenden: 47°36'57.2"N 10°25'50.8"E