Ihr sollt ein Segen sein
Zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit fünf Bussen, als Teilnehmende am Kolpingjugend-Event, als Sängerinnen und Sänger im Projektchor oder als Einzelreisende waren am 3. Oktober 2026 rund 300 Gläubige aus dem Bistum Augsburg nach Freising zur Kolping-Landeswallfahrt gekommen. Mit Erzbischof Dr. Reinhard Kardinal Marx feierten die 1500 Teilnehmenden aus den sieben bayerischen Diözesen den Gottesdienst zum Motto „Unterwegs mit leichtem Gepäck“ im überfüllten Freisinger Mariendom. Kardinal Marx rief die Kolping-Wallfahrerinnen und Wallfahrer auf, den Auftrag Gottes nach dem Vorbild des seligen Adolph Kolping zu erfüllen und ein Segen zu sein.
Vergeben und miteinander an einem Tisch sitzen
„Wir nehmen alle viel zu viel Gepäck mit im Leben. Was brauche ich wirklich? Eine Gemeinschaft, Helfer, ein Ziel und ein Herz, das offen ist“, so Kardinal Reinhard Marx zu Beginn seiner Predigt. Einerseits wünsche sich jeder Mensch ein „Dahoam“, ein Zuhause, an dem man Wurzeln schlagen könne. Zugleich müsse jeder Mensch unterwegs bleiben, denn jedes Lebensjahr bringe neue Herausforderungen mit sich. In dieser Spannung aus den Wurzeln und dem Unterwegs-Sein zähle die Neugierde auf das, was noch komme.
Es gehe im Leben auch nicht in erster Linie darum, erworbenen Besitz zu verteidigen, sondern ein Segen für andere Menschen zu sein. „Das Reich Gottes bricht schon jetzt immer wieder durch das an, was wir in die Gesellschaft geben“, erklärte Kardinal Marx. Es blitze da auf, wo Menschen einander vergeben und wo sie miteinander am Tisch säßen. Adolph Kolping habe genau das verstanden und immer wieder darauf hingewiesen, Ballast abzuwerfen.
Dass die Kolping-Landeswallfahrt ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit durchgeführt werde, sei ein gutes Zeichen zur Stärkung der Demokratie. „Hierfür muss etwas getan werden. Danke, dass ihr handelt“, bekräftigte der Vorsitzende der bayerischen Bischofskonferenz am Ende seiner Predigt.
Ein Projektchor unter der Leitung Barbara Danninger, der Kolping-Vorsitzenden aus Tittmoning, gestaltete den Festgottesdienst mit über 150 Kolping-Bannern musikalisch.
Unüberhörbar
Kolping-Landesvorsitzende Eva Ehard aus Spalt konnte auf dem Freisinger Marienplatz neben den bayerischen Teilnehmenden und Kolpinggruppen aus Speyer und Ungarn auch Erzbischof Simon Peter Poh aus Kuching (Malaysia) und Staatsminister Dr. Florian Herrmann als Vertreter der bayerischen Staatsregierung begrüßen.
Freisings Oberbürgermeisterin Monika Schwind hieß alle Wallfahrerinnen und Wallfahrer in der Domstadt willkommen. Sie verwies dabei auf die gerade zu Ende gegangene „Nacht der Demokratie“, an der sich auch die Kolpingjugend beteiligt habe. „Wir kommen nur weiter in der Gesellschaft, wenn wir gemeinsam unterwegs sind und im Gespräch bleiben“, betonte die Oberbürgermeisterin.
Nach der Eröffnung, die von der Stadtkapelle Freising und dem Kolping-Kinderchor aus Kösching umrahmt wurde, und einem Gebet durch Kolping-Landespräses Christoph Wittmann zogen die Pilgerinnen und Pilger vom Marienplatz zum Domberg hinauf. Der betende und singende Prozessionszug war weder zu übersehen noch zu überhören. Roland Kronawitter, Kolping-Landesvorsitzender aus Ruderting, danke am Ende des Gottesdienstes allen Mitwirkenden und Unterstützenden und lud zur Begegnung auf den Domplatz ein, wovon die meisten Pilgerinnen und Pilger gerne Gebrauch machten.
Geistlicher Triathlon zu Fuß
Bereits am 1. Oktober hatte sich eine zehnköpfige Pilgergruppe unter der Leitung von Kolping-Diözesanpräses Wolfgang Kretschmer von Friedberg auf den Weg nach Freising gemacht. Nach einer Zwischenübernachtung in der Katholischen Landvolkshochschule und einem beeindruckenden Abendgebet in der romanischen Basilika auf dem Petersberg kamen die Pilger Freitagabend in Freising an. Auf dem Weg hat Präses Kretschmer eine neue geistliche Disziplin erfunden, den geistlichen Triathlon. Gesprächsimpulse, Gebetseinheiten und Wegstücke in Stille wechselten sich mehrmals am Tag ab. Ausgangs und Endpunkt waren Pallottinerklöster: in der Pallotti-Kirche in Friedberg startete die Pilgergruppe und im Pallotti-Haus in Freising übernachteten die Teilnehmenden von Freitag auf Samstag.
Mit dem Reisesegen an den Start
Neun Wallfahrende legten den Weg zur Landeswallfahrt mit dem Fahrrad zurück. Bereits am Freitagmorgen um 10.00 Uhr startete eine Gruppe mit drei Frauen und drei Männern an der kleinen Wallfahrtskirche Maria Alber von Augsburg-Hochzoll mit einem Reisesegen. Nach knapp 80 km erreichten sie am frühen Abend ihr Tagesziel das Pallotti-Haus in Freising. Dazwischen lagen vier Stationen mit geistlichen Impulsen für die Etappen. Dank des Begleitfahrzeuges war auch immer zum rechten Zeitpunkt ein kühles Getränk, Butterbreze, Obst und Gemüse oder auch Kaffee und Kuchen zur Stelle.
Unterwegs mit Schlüssel, Kreuz und Wunden
Diözesanvorsitzender Robert Hitzelberger begrüßte die Augsburger Pilgerinnen und Pilger am Samstagmorgen in der ehemaligen Klosterkirche St. Peter und Paul in Freising-Neustift. Bei einer gemeinsamen Andacht, der Kolping-Diözesanpräses Wolfgang Kretschmer und Geistliche Leiterin Sabine Eltschkner vorstanden, wurde der Blick auf drei Heilige gelenkt. Der diözesane Fachausschuss lies die „Gepäckstücke“ von Petrus, Helena und Franziskus zu den Pilgerinnen und Pilgern sprechen: der Schlüssel, der den Weg in die Zukunft aufschließen kann; das Kreuz, das in uns etwas lebendig macht; die Wunden, die wir in Verbundenheit mit Gott tragen können.
In großer Gastfreundschaft wurde die Pilgergruppe aus Augsburg in Neustift aufgenommen. Josef Geißdörfer von der Kirchenverwaltung führte in Schichten durch „die schönste Kirche Freisings“, während es im Pfarrheim für alle ein Mittagessen gab.
Ungarn trifft Marx
Als Teil der Augsburger Pilgergruppe waren 18 Teilnehmende aus fünf ungarischen Kolpingsfamilien in Freising dabei. Vera Heinz vom Augsburger-Diözesanvorstand und Erwin Fath, Beauftragter für die Partnerschaft mit dem Kolpingverband in Ungarn, hatten bei der letzten Nationalversammlung in Budapest zur Teilnahme an der Landeswallfahrt eingeladen. Beide freuten sich, dass sich so viele Mitlieder aus dem Partnerverband auf den Weg nach Bayern gemacht hatten, begleiteten die ungarischen Teilnehmenden das ganze Wochenende und zeigten ihnen die Bischofsstadt. Nach dem Gottesdienst bot sich die Gelegenheit zur Begegnung der ungarischen Gäste mit Kardinal Marx.
Kolpingjugend-Event zur Landeswallfahrt
Rund 60 Teilnehmende nahmen am Event der Kolpingjugend zur Landeswallfahrt teil. Hierzu gibt es auf unserer Seite einen eigenen Bericht und Bilder: www.kolpingjugend-augsburg.de/B5235.


















