Mit Rechten leben
Rund 130 Delegierte und Gäste setzten sich in einem Studienteil beim Bundeshauptausschuss von Kolping Deutschland vom 6. bis 8. November 2026 in Erfurt mit dem Thema „Mit Rechten leben“ auseinander. Die Bundestagsabgeordnete Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) und die Soziologin und Journalistin Dr. Jana Glaese gaben einen fachlichen Input zur zunehmenden Popularität und Akzeptanz von rechtspopulistischer Politik und rechten/rechtsextremen Standpunkten und zu Strategien für einen Umgang mit rechtsextremen Äußerungen im Alltag. Im Anschluss an die Vorträge tauschten sich die Delegierten über bewährte Formate, Best Practice-Beispiel und Vorgehensweisen aus der Praxis aus.
Zeichen der Solidarität
„Der Bundeshauptausschuss soll auch ein Signal der Solidarität sein“, sagte die Bundesvorsitzende von Kolping Deutschland Klaudia Rudersdorf zu Beginn der Tagung. „Wir stehen an der Seite unserer Mitglieder und Engagierten in der Region Ost und wollen sie in ihrem Einsatz für eine lebendige und vielfältige Demokratie stärken“, sagte die Bundesvorsitzende.
Im Anschluss an den Studienteil machten sich die Delegierten auf einen „Pilgerweg der Demokratie“. Singend, betend, mit Kerzen und mit Berichten von Zeitzeugen von den ersten ökumenischen Friedensgebeten 1978 in der St. Lorenzkirche, von der Ökumene in der Stadt und vom Aufbau einer Stadtregierung nach dem Fall der Mauer zogen die Delegierten durch die thüringische Landeshauptstadt. Der gemeinsame Weg mündete in die Messfeier mit Weihbischof Dr. Reinhard Hauke in der St. Severikirche.
Bereits vor Beginn des Bundeshauptausschuss begrüßte Dr. Thadäus König (CDU), der Präsident des Thüringer Landtags und langjähriger Geschäftsführer des Thüringer Kolping-Bildungswerkes, die Delegierten des Bundeshauptausschusses von Kolping Deutschland bei einem Empfang im Landtag.
Zukunft des Sozialstaats
Im Mittelpunkt der Beratungen standen auch die aktuellen Reformprozess der Bundesregierung. Der Bundesvorstand hatte einen Antrag für eine Erklärung mit dem Titel „Für einen Sozialstaat, der niemanden zurücklässt“ eingebracht. Kolping Deutschland fordert darin einen Kurswechsel hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit. Ein starkes soziales Sicherungsnetz wird als Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt, demokratische Stabilität und eine zukunftsfähige Entwicklung Deutschlands angesehen (unten eine Zusammenfassung der Erklärung durch KI).
Unterstützung für Aufarbeitung sexualisierter Gewalt
Die Delegierten stimmten zudem für einen Antrag der Kolpingjugend Deutschland und des Kolping-Bundesvorstandes zur Unterstützung der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in katholischen Jugendverbänden seit 1945. Der BDKJ hat ein unabhängiges Forschungskonsortium – bestehend aus Dissens – Institut für Bildung und Forschung e.V. (Berlin) und dem Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) (München) - mit der Durchführung der wissenschaftlichen Studie beauftragt. Das Forschungsprojekt untersucht aus der Perspektive Betroffener und mittels vertiefender Fallanalysen sowie quantitativer Erhebungen das Ausmaß, die Strukturen und den institutionellen Umgang mit sexualisierter Gewalt in den Verbänden und entwickelt im Austausch mit Beteiligten Erkenntnisse für Prävention und Intervention. Die Bundes-, Landes- bzw. Regionalverbände, sowie die Diözesanverbände und die Kolpingsfamilien werden durch den Beschluss zur Unterstützung und Mitwirkung an der Studie verpflichtet.
Neue Projekt- und Themengruppen
Nachdem die Kolping-Bundesversammlung im vergangenen Jahr die bisherigen Bundesfachausschüsse und Kommissionen aufgehoben und eine neue Arbeitsweise beschlossen hat, hat der Bundesvorstand in den vergangenen Monaten verschiedene neue Themen- und Projektgruppen eingesetzt. Beim Bundeshauptausschuss legte der Bundesvorstand über Aufgabenstellung und Zusammensetzung der Themengruppen „Generationengerechtigkeit“, „Politische Lobbyarbeit“, „Demokratie und politische Bildung“, „Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit“ und „Mitgliedergewinnung“ bzw. der Projektgruppen „Profilschärfung Präses / Geistliche Leitung“, „Klima“ und „Stärkung der Familienarbeit“ Rechenschaft ab.
Wahl von zwei Mitgliedern des Schiedsgerichts
Die Delegierten wählten Christian Mitter (Kronach) auf Vorschlag durch den Kolping-Diözesanverband Bamberg und Philip Slüter (Jena) auf Vorschlag des Kolping-Diözesanverband Münster zu Mitgliedern des Kolping-Schiedsgericht.
Satzungsgemäße Aufgaben
Darüber hinaus nahm der Bundeshauptausschuss weitere satzungsgemäße Aufgaben wahr, so zum Beispiel die Entgegennahme des Rechenschaftsberichts des Bundesvorstandes, des Berichts über die wirtschaftliche Entwicklung der Rechtsträger und Einrichtungen von Kolping Deutschland und des Berichts des Finanzausschusses von Kolping Deutschland.
Dr. Markus Demele, Generalsekretär von Kolping International, wandte sich mit einem Grußwort an die Delegierten von Kolping Deutschland.
Augsburger Delegation
Diözesanvorsitzender Robert Hitzelberger, Diözesanpräses Wolfgang Kretschmer, Laura Haug (Legau) und Dorothee Haug (Diözesanleiterin der Kolpingjugend) vertraten als durch die Diözesanversammlung gewählte Delegierte die Interessen der Kolpingmitglieder aus der Diözese Augsburg beim Bundeshauptausschuss. Walter Fehle (Bobingen) war als Bundesvorstandsmitglied und Anna-Maria Högg (Diedorf) als Tagesleitung in Erfurt dabei.
Laura Haug und Wolfgang Kretschmer luden die Delegierten am Ende der Tagung zum nächsten Bundeshauptausschuss vom 5. bis 7. November 2027 ins Kolpingaus nach Augsburg ein.
Zusammenfassung der Forderungen von Kolping Deutschland in der Erklärung des Bundeshauptausschusses zur Reform des Sozialstaates:
- Der Sozialstaat muss stark bleiben. Menschen, die Hilfe brauchen, dürfen nicht durch Kürzungen benachteiligt werden.
- Kinder, Jugendliche und Familien sollen besser unterstützt werden. Gerade bei ihnen darf nicht gespart werden, weil das langfristig der Gesellschaft schadet.
- Armut muss bekämpft werden. Besonders betroffen sind Kinder, Alleinerziehende, ältere Menschen und Pflegebedürftige.
- Soziale Gerechtigkeit ist wichtig für den Zusammenhalt. Wenn die Unterschiede zwischen Arm und Reich größer werden, leidet das Miteinander in der Gesellschaft.
- Die Kosten sollen fair verteilt werden. Menschen mit sehr hohen Einkommen, großem Vermögen oder hohen Erbschaften sollen stärker zur Finanzierung des Sozialstaats beitragen.
- Arbeit soll sich lohnen. Beschäftigte sollen nicht immer stärker belastet werden.
- An die Zukunft denken. Reformen müssen sowohl für junge als auch für ältere Menschen gerecht sein.
- Demokratie und Zusammenhalt stärken. Politik soll die Sorgen der Menschen ernst nehmen, soziale Spaltung verhindern und das Vertrauen in die Demokratie fördern.
Kernaussage
Mehr soziale Gerechtigkeit ist nötig. Nur so können der gesellschaftliche Zusammenhalt, die Demokratie und die Zukunftsfähigkeit Deutschlands gesichert werden.
Die Zusammenfassung wurde mit KI erstellt.
Personen auf dem Bild von links: Walter Fehle (Bobingen), Laura Haug (Legau), Diözesanpräses Wolfgang Kretschmer, der thüringische Landtagspräsident Dr. Thadäus König, Diözesanvorsitzender Robert Hitzelberger, Anna-Maria Högg (Diedorf)










