13 Nationen und ein Kolping für den Frieden
Unter dem Motto „um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung“ trafen sich vom 14. bis 16. Mai 2026 über 350 Kolpingmitglieder aus 13 europäischen Nationen zur 57. Internationalen Kolping-Friedenswanderung in Bad Waldsee. Frieden braucht Orte, an denen Menschen zusammenkommen, schreibt Robert Klauser aus der Kolpingsfamilie Lindau.
10 Teilnehmende aus den Kolpingsfamilien Kellmünz, Kempten, Lindau und Mering wanderten aus dem Diözesanverband Augsburg für den Frieden.
Schon bei der Ankunft in Bad Waldsee liegt eine besondere Stimmung in der Luft. Rund 350 Kolpinggeschwister aus 13 Ländern sind zur 57. Internationalen Kolping-Friedenswanderung angereist. Überall gibt es ein großes Hallo, herzliche Umarmungen, freudiges Wiedersehen und neugierige Fragen: „Das wievielte Mal bist du jetzt dabei?“ Doch fremd fühle ich mich keinen Moment. Ich kenne ja schon fast die ganze Friedenswanderung. Kolpinggeschwister sind wie eine große Familie. Wer neu dazukommt, wird aufgenommen, angesprochen und eingebunden. Es fühlt sich an wie ein großes Familientreffen, bei dem man sofort dazugehört.
Mich berühren die vielen Geschichten, die schon am ersten Tag anklingen. Menschen aus ganz Europa bringen ihre Erfahrungen, Erinnerungen und Hoffnungen mit. Manche erzählen von früheren Friedenswanderungen, andere von ihrem ersten Eindruck, wieder andere von dem, was sie persönlich zum Mitgehen bewegt. Schnell wird deutlich: Diese Wanderung ist mehr als ein gemeinsames Unterwegssein. Hier sind Adolph Kolpings Friedenswanderer und -wanderinnen versammelt – Menschen, die nicht nur über Frieden sprechen, sondern ihn im Miteinander leben wollen.
Die Banneraufstellung mit ca. 55 Bannern und Fahnen und der Eröffnungsgottesdienst mit Kolping-Generalpräses Christoph Huber in der Pfarrkirche St. Peter geben diesem Beginn eine feierliche Tiefe. Das gemeinsame Gebet, die Lieder, die vielen Sprachen und Gesichter machen spürbar: Frieden braucht Orte, an denen Menschen zusammenkommen. Bad Waldsee ist in diesen Tagen ein solcher Ort.
Der erste Wandertag beginnt mit dem Morgenimpuls. Danach machen wir uns gemeinsam auf den Weg. Schon nach kurzer Zeit zeigt sich, was diese Friedenswanderung ausmacht: Menschen gehen nebeneinander, kommen ins Gespräch, hören einander zu. Manche kennen sich seit Jahrzehnten, andere lernen sich erst jetzt kennen. Trotzdem entsteht schnell Nähe.
Besonders fällt mir eine Gruppe von Kolpingjugendlichen aus dem Aachtal auf. Zwei Wandertage lang tragen sie das offizielle Friedenswanderungsbanner mit. Dazu haben sie ein kleines eigenes Banner dabei, gestaltet mit bunten Handabdrücken und dem Satz: „Frieden entsteht im Herzen.“ Dieser Satz begleitet mich den ganzen Tag. Wie wahr er ist. Frieden beginnt nicht zuerst in großen Konferenzen oder Verträgen, sondern in den Herzen von Menschen, die bereit sind, einander wahrzunehmen, zu teilen, füreinander einzustehen und Verantwortung zu übernehmen.
Die Begleiterinnen der Jugendlichen erzählen, wie wichtig es ihnen ist, die junge Generation mitzunehmen. Sie sollen erleben, dass Kolping nicht nur Tradition ist, sondern Zukunft. Die Jungen sind mit Freude dabei. Für sie gehört auch ein kleines tägliches Highlight dazu: das Frühstück in einer Bäckerei nahe ihrer Unterkunft. Auch solche kleinen Dinge machen die Friedenswanderung aus – das Einfache, das Verbindende, das Menschliche.
Am Ende dieses Tages verstehe ich noch mehr: Adolph Kolpings Friedensmenschen tragen vieles mit sich. Manche tragen leichte Rucksäcke, manche schwere Erinnerungen. Aber auf dem gemeinsamen Weg wird manches davon leichter.
Auch der zweite Wandertag beginnt mit dem gemeinsamen Morgenimpuls. Danach führt uns der Weg durch die Landschaft rund um Bad Waldsee, durch das Ried, durch Moorlandschaft, über Wege, die den Blick öffnen. Die Natur tut gut. Sie gibt Raum zum Reden und zum Schweigen.
Eine Teilnehmerin strahlt beim leichten Aufstieg zur Grabener Höhe (754 m). Sie erzählt, wie sehr sie die Landschaft genießt und wie viel Kraft sie aus der Natur schöpft. Das Motto-Lied der Friedenswanderung geht ihr nicht aus dem Sinn: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns.“ Dieses Sehnen nach Frieden, Freiheit, Hoffnung, Liebe und Gottesnähe begleitet viele von uns. Manchmal ist es still und tief innen. Manchmal bricht es voller Energie nach außen.
Beeindruckend ist für mich auch der älteste Teilnehmer, etwa 90 Jahre alt. Ein echtes Urgestein der Friedenswanderung. Er läuft mit, so gut es geht, fährt manche Teilstrecke im Begleitbus mit und ist doch ganz mittendrin. Seine Erfahrungen ziehen Menschen an. Er hat viele Jahrzehnte erlebt, viele Unruhen, viele Veränderungen. Gerade solche älteren Kolpinggeschwister sind wichtige Zeuginnen und Zeugen für Friedenshandeln. Sie wissen, wie zerbrechlich Frieden ist. Und sie zeigen zugleich, dass Hoffnung nicht naiv ist, sondern eine Kraft, die durch das Leben trägt.
Eine Teilnehmerin erzählt mir von schweren Umbrüchen in ihrem Leben, von einer Krankheit, die sie überstanden hat. Die Ärztinnen und Ärzte hatten kaum Hoffnung gemacht. Noch immer spüre ich ihre Erschütterung, wenn sie davon spricht. Die Angst, die Ungewissheit, die Erfahrung, dass manche Menschen ihre Krankheit nicht mit ihr aushalten konnten – all das sitzt tief. Und doch erzählt sie auch von neuen Freundschaften, von Vertrauen, von Stärkung. Jetzt läuft sie für den Frieden. Die Gemeinschaft und das Vertrauen der Teilnehmenden auf Gott geben ihr Kraft.
Einen Tag lang wandert Kolpingbruder Johannes Warth mit uns. Mit Wortwitz, Humor und Tiefgang schenkt er uns Ermutigungen. „Wer andere ermutigt, wird selbst ermutigt“, sagt er. Solche Sätze bleiben hängen. Sie öffnen neue Gedanken und bestätigen zugleich, was wir unterwegs erleben: Friedensarbeit beginnt im konkreten Umgang miteinander.
Dem Abschlussgottesdienst stand Weihbischof Dr. Gerhard Schneider aus dem Bistum Rottenburg-Stuttgart in der Stadtkirche St. Peter vor.
Am Abend wird getanzt, gelacht und gefeiert. Dieselben Menschen, die tagsüber über Krieg, Krankheit, Hoffnung und Frieden gesprochen haben, sind nun ausgelassen beieinander. Das passt zusammen. Denn Frieden ist nicht nur ernst. Frieden ist auch Freude, Leichtigkeit und gemeinsames Feiern.
Der letzte Tag bringt Abschied mit sich. Nach so vielen Begegnungen fällt das Auseinandergehen nicht leicht. In den vergangenen Tagen ist eine Gemeinschaft gewachsen, die weit über ein normales Treffen hinausgeht. Wir sind gemeinsam gewandert, haben gebetet, gegessen, gewartet, gelacht, zugehört und gefeiert. Wir standen in Essensschlangen, saßen nebeneinander in Gottesdiensten, gingen durch Regen oder Sonne, teilten Geschichten und Gedanken.
Adolph Kolpings Friedensaktivisten sind Herzensmenschen. Das ist mir in diesen Tagen ganz klar geworden. Sie gehen respektvoll miteinander um. Sie achten aufeinander. Sie bringen unterschiedliche Erfahrungen mit, je nachdem, aus welchem Land sie kommen und welche Geschichte sie geprägt hat. Manche tragen schwere Erinnerungen im Gepäck. Doch auf dem Weg wird dieses Gepäck leichter, weil es gesehen und mitgetragen wird.
Eine Großgruppe von 350 Friedenswandernden, die aufeinander achtet und einander vertraut – was kann es Schöneres geben? Das gemeinsame Vertrauen auf den lebendigen Gott verbindet und schenkt Mut. Es entsteht eine Atmosphäre, die man nur schwer beschreiben kann: herzlich, offen, zugewandt, getragen von einem tiefen Zukunftsglauben. Trotz Krieg, Ungerechtigkeit und Gewalt in der Welt halten diese Menschen daran fest, dass Frieden möglich ist.
Wenn Adolph Kolpings Friedensaktivisten unterwegs sind, dann entsteht eine Atmosphäre des Friedens, der Freiheit und der Hoffnung. Die Sehnsucht bekommt ein Zuhause. Sie bleibt nicht nur ein Wunsch, sondern wird gelebt – im Gehen, im Beten, im Helfen, im Lachen, im Zuhören, im Teilen.
Am Ende verabschieden sich viele mit den Worten: „Nächstes Jahr in Litauen, so Gott will.“ Auch in mir ist diese Sehnsucht schon wieder da. Die Friedenswanderung rund um Bad Waldsee bewegt mich weiter. Ich nehme die Gesichter, Geschichten und Momente mit. Ich bewege sie in meinem Herzen hin und her – dankbar für das, was ich erleben durfte.
Die nächste Friedenswanderung, ist die 58. Internationale Kolping-Friedenswanderung 2027 und steht unter dem Motto „Frieden finden, Herzen verbinden“ und wird vom Kolpingwerk Litauen, Austragungsort ist Šventoji an der Ostsee, organisiert.
58. Internationale Kolping-Friedenswanderung an der litauischen Ostseeküste
6. bis 9. Mai 2027
Austragungsort ist Šventoji an der Ostsee.
Damit führt die Friedenswanderung an einen besonderen Ort: ans Meer und an die litauische Küste.


















